TEXIMUS 5 (Teil 2)
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Im Rahmen der Ausstellung TEXIMUS 5 wurden 47 jurierte und 2 unjurierte Textilkunstwerke gezeigt. Ein Teil dieser Arbeiten wurden im Blog vom 29. März 2026 besprochen. Hier folgen die übrigen:

Anna Raffaella Hofers Arbeit zeigt den Waldfriedhof in Davos Frauenkirch, wo die Künstlerin wohnt. Der Titel verweist nicht nur auf das Bildthema, sondern bezieht sich auch auf Materialien und Werkzeuge mit Geschichte, die sie für die Stickerei verwendet hat.

Zoja Brülisauer verbindet Malerei und Textil, indem sie auf einen schon bestehenden gemusterten Stoff malt und stickt. Dabei fragt sie sich: Wie kann sie der Stickerei genug Raum geben? Sie sucht Bildwelten, die mit der reinen Malerei nicht möglich sind.

Luis Marques’ künstlerisches Ausdrucksmittel ist das Zeichnen Dabei geht es um Planen und Zufall, Struktur und Spontanität, Kontrolle und Loslassen. Er gestaltet mit der Linie innere Landschaften. Ein Text, den er als 17jähriger geschrieben hat, taucht als subtile Erinnerung darin auf.

Die fünf Organza-Bänder aus Polyester von Beatrice Lanter spielen mit der Transparenz. Durch Überlagerungen entsteht ein zartes Farbenspiel, zu dem Licht und Schatten beitragen. Leise bewegen sich die Stelen im Luftzug zu einem poetischen Spiel.

Das Draht-Blütenkleid von Sonja Malzacher verbindet den menschlichen Körper mit der Natur. Das aus floralen Formen gewachsene Kleid wirkte verletzlich, aber auch schützend. Der Moment zwischen Aufblühen und Vergehen weckte die Frage: Was bleibt, wenn alles im ständigen Wandel ist.

Auch Marianne Maritz-Mauchle verwandelt den störrischen Draht in Poesie. Das Kleid machte einen unsichtbaren Körper sichtbar, die Rosenblätter schwebten wir Erinnerungen darin. Die licht- und luftdurchlässige Figur erschien zugleich körperlos und körperhaft.

Videobänder sind Speicher für Filme und Geschichten. Sie spielen mit dem Licht, reflektieren Farben, dann sind sie wieder schwarz. Wie im Film ist immer etwas los. Beim Stricken vor dem Fernseher sind auch die Hände immer in Bewegung. Dabei können passend zum Film ein Oberteil, ein Handschuh, ein Topflappen entstehen – oder etwas ganz anderes,

Das dreiteilige Werk ist eine Auseinandersetzung mit der Leistungsgesellschaft, zeitintensiv, langsam und voller Liebe. Der Lorbeerkranz, die Goldmedaille für die Nummer 1, der Bauchpinsel sind fürs Eigenlob gedacht, für die Anerkennung und kreative Fürsorge des eigenen Ichs.

In ihrem Bild zeigt Lisa Bless eine einfache Form, aus der sie einzelne Stücke herausgeschnitten und -gezogen hat. Der Blick geht von aussen nach innen und zurück. Das leuchtende Gold der Form verleiht dem Bild eine sakrale Ausstrahlung.

Marion Köhler-van Rijns Bild verbindet strenge Geometrie mit einem raffinierten Farbenspiel. Die verschiedenen Stoffqualitäten und Farben ergeben je nach Beleuchtung, Standort und Blickwinkel völlig andere Bildwelten. Damit bricht die Künstlerin die strenge Geometrie auf und bringt Bewegung ins Bild.

Das synthetische Material Tyvek aus hochdichtem Polyethylen kennt man aus der Baubranche. Eva-Maria Pfaffen hat daraus zwei brusthoch hängende objekte gehäkelt und das Material in einen völlig anderen Zusammenhang gebracht.

Aus der Fotografie eines halbierten Rotkabis schnitt Claire Schmid alle weissen Stellen heraus und ersetzte sie durch Nickyplüsch. Im Gegensatz zum Rotkraut ist Nicky weich, flauschig, warm, weich und nicht essbar – die kleine Handlung verschob den Blick auf ein alltägliches Nahrungsmittel.

Der Blackenstecher ist ein Werkzeug, das kaum jemand mehr kennt – ein Zeitzeuge einer anderen Epoche. Els Marti bildete ihn formgetreu und im richtigen Massstab ab, aber alles Hölzerne oder Metallische war bei ihr weich und schmiegsam. Als «Soft Sculpture» bekam das Werkzeug eine völlig andere Aussage.

Während des Lockdowns begann Barbara Feuz zu stricken. Sie hängte das fertige Kleid ins Atelier – doch dann zerlegte sie es in wieder und transformierte es in ein Kunstobjekt. Jetzt umschliesst der Strick Lufträume und lässt nur noch erahnen, was es einmal hatte sein sollen.

Die einen legen ihre Kleider schön geordnet auf einen Stuhl, die andern hinterlassen solche Gebilde auf dem Boden. Michael Tulio transformierte die Klumpen Stoff mittels des Ausbrennverfahrens in Porzellanobjekte und zeigt eine kleine Veränderung im Alltag, einen kurzen poetischen Moment.

Wenn Ramona Conconi ihre demente Mutter im Heim besucht, wiederholt diese immer dieselben Sätze. Der düstere Quilt zeigt die Tage, die nie enden. Doch auch die Tochter repetiert Stich für Stich immer dasselbe; doch bei ihr drückt die Wiederholung Hoffnung aus, dass die schwierige Situation einmal ins Schöne kippt.

Auf einer alten Leinenkette webte Katja Bächtold als Letztes ein in der Gestaltung auf das Notwendigste reduzierte Bild. «Beschränke dich auf das Wesentliche. Entferne aber nicht die Poesie» - dieses japanische Prinzip des Wabi Sabi begleitet sie auf ihrem Gestaltungsprozess.

Ursina Hitz-Jörimann hatte Lamellen gefilzt. Jede davon stand für sich und symbolisierte einen Lebensweg. Aber alle gehen von links oder von rechts aufeinander zu. Die Lamellen berühren sich kaum, aber sie beeinflussen sich gegenseitig und haben eine gemeinsame Kraft.

Das Schalentier Okti ist kein fertiges Wesen. Es sammelt aus einer Notwendigkeit heraus. Sabine Cornelia Mangold hat all diese Dinge gehäkelt und gestrickt. Sie schützen den Körper des Okti im Zusammenspiel. Das Okti ist nicht perfekt, es ist aus dem herausgewachsen, was da ist.

Angela Späti nähert sich den Menschen auf alten Fotografien, indem sie diese mit Nadel und Faden nachzeichnet. Wie haben diese Menschen gelebt, wer waren sie? Ein Foto ist eine Momentaufnahme in einem Leben. Was war wirklich wichtig?

Tatsiana Yukhanavets’ Strümpfe fordern unsere Empathie mit Immigranten heraus. Als Einwanderin hatte die Künstlerin Unverständnis, Enttäuschungen, Verletzungen erlebt, körperliche und seelische Spuren, die heilen müssen.

Die folgenden beiden Werke stammen von zwei TEXIMUS-Organisatorinnen, sie wurden nicht juriert.
Bea Bernasconi thematisierte Menschen, denen wir auf der Strasse begegnen, aber die wir oft übersehen. Ohne Farbe gestickt und auf der unperfekten Rückseite der Arbeit präsentiert, zeigen sie die Verletzlichkeit der Menschen noch besser.

Die herrschende Lage weckt das Bedürfnis zu flicken und zu heilen. Die Arbeit wurde auf Zeitungsausschnitten mit Schreckensnachrichten gestickt. Die Sticktechniken beziehen sich auf solche, die in Indien und Japan als heilend gelten.
Text: Christine Läubli
Fotos: TAFch




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