TEXIMUS - BLUMENWIESE
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Giulio Gallana malt für TEXIMUS Blumen auf eine Wiese. In diesem Text beleuchtet er die Hintergründe zu seiner Arbeit:
Eine Wiese auf symbolische Art blühen lassen. Hinter dieser simplen, beinahe verspielten Geste steckt eine Hinterfragung unseres Umganges mit der Natur. Mit der «Blumenwiese» beschäftige ich mich mit der Frage, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, kontrollieren und nach unseren Wünschen formen.

Die Installation findet auf der Rasenfläche des Seebad Seeliken statt. Hier stellt das Grün eine reine stark gepflegte Funktionsfläche dar, welche kaum noch natürlich genannt werden kann. Sie bildet einen weichen Teppich für die Badegäste, echte Wildblumen sind nicht erwünscht. Es gibt eine klare Diskrepanz zwischen dieser Grünfläche und dem, was eigentlich natürlich wäre. Die Intervention reagiert darauf mit einer grafischen Chiffre. Die «Idee der Blume» wird in Form eines Piktogramms auf den Rasen projiziert. Die Blumen wirken wie grafische Stempel, die dort auftauchen wo die biologische Blüte durch die Funktion und Nutzung des der Fläche unterdrückt wird. Das exakte Raster, in welchem die Blumen gemalt sind, soll die konzeptuelle, konstruierte Natur der Intervention unterstreichen.

Um die absolute Gleichmäßigkeit der Blumen zu garantieren, wurde ein spezielles Werkzeug entwickelt. Die Basis bildet eine Schablone aus CNC-gefrästem Holz, bestehend aus zwei präzise verleimten und mit Dübeln fixierten Dreischichtplatten. Die Innenkante dieser Form ist mit einer aufwändigen Metallbeschichtung versehen: Ein dünnes Metallblech wurde exakt in die Blumenform gebogen, mit dem Holz verleimt und die einzelnen Segmente anschließend verschweißt. Um eine maximale Stabilität zu gewährleisten, wurde der Metallkern zusätzlich mit dem Holzgerüst vernagelt. Ein funktionales Detail ist hierbei entscheidend: An der Unterkante steht das Metall leicht hervor. So lässt sich die Schablone fest in den Rasen eindrücken, wodurch eine saubere Kante entsteht und das Auslaufen der Farbe unter der Form verhindert wird.

Trotz der technischen Präzision der Schablone ist die Umsetzung ein zutiefst menschlicher und zeitintensiver Prozess. Jede einzelne Blume wird von Hand gemalt. Dieser bewusste Verzicht auf eine automatisierte Vervielfältigung macht die Arbeit zu einer performativen Handlung. Die Wiederholung der immer gleichen Geste – das Platzieren der schweren Schablone, das Eindrücken in den Boden, das sorgfältige Ausmalen – wird Teil der künstlerischen Aussage. Zeit und körperlicher Einsatz fließen direkt in das Raster ein und verleihen der eigentlich „künstlichen“ Blumenwiese eine menschliche und beinahe natürliche Komponente. Es ist ein stilles Ritual der Aneignung und Anerkennung einer Fläche, die normalerweise nur mit Maschinen bearbeitet wird.

Ein wesentlicher Teil der Arbeit ist ihre Vergänglichkeit. Die Blumen sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Da die verwendete Markierfarbe natürlich abbaubar ist, bleibt die Rasenfläche nach der Intervention unbeschädigt zurück. Die Blumen wachsen mit dem Gras mit, verblassen durch die Witterung und verschwinden schließlich durch die normale Pflege der Rasenfläche wieder ganz. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen kurzen Moment, in dem die Wiese nach den Regeln des Menschen erblühte.

Über mich: Mein Name ist Giulio Gallana, ich bin ein in der Schweiz ansässiger Kreativer und absolviere derzeit ein Masterstudium im Bereich Design an der HSLU DFK (Hochschule Luzern). Ein Hintergrund im Textildesign bildet die Grundlage für meine multidisziplinäre Tätigkeit. Nach dem Bachelorabschluss in Textildesign an der HSLU begab ich mich in die Ostschweiz, wo die letzten Textilunternehmen um ihr überleben kämpfen. Ich durfte im Design Atelier von Jakob Schlaepfer Berufserfahrung sammeln und in der TaDA Residenz viele weitere Textilunternehmen kennenlernen und mit ihnen zusammenarbeiten. Die erworbenen Erkenntnisse zum Thema Remanufaktur (Skalierbares Upcycling) während der Zeit in der TaDA Residenz sowie einem neunmonatigen Förderprogramm von ProHelvetia führten zu der Entstehung einer Modekollektion. Aktuell entwickelt sich der Inhalt meiner Praxis mehr und mehr weg vom physischen Textil hinzu einer konzeptuellen Praxis, welche unteranderem das Textil referenziert – Wie im aktuellen Beispiel der „Blumenwiese“.
Text und Bilder: Giulio Gallana
Informationen:
TEXIMUS 5
18. – 22 März 2026
Altstadthalle Zug
Ausseninstallation von Giulio Gallana im Seebad Seeliken neben dem Casino Zug.
Vernissage: 3. März 2026, 15.30 Uhr
Die Installation ist ab dem 3. März jederzeit zugänglich.




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