Nora Lardon: Transferprozesse
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Nora Lardon arbeitet mit den Medien Textil, Zeichnung und Druckgrafik. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen wechselseitige und sich wiederholende Transferprozesse zwischen diesen Medien. Ausgangslage bildet die Reflexion über das Textil, seine (ästhetischen) Eigenschaften und Herstellungstechniken sowie deren Logik.

Der Titel 4 Fd/cm zu 8 Fd/cm der auf der Teximus 2026 gezeigten Arbeit beschreibt den Untersuchungsmittelpunkt der textilen Arbeit: Durch Verdichtung und Verdünnung von Fäden pro Zentimeter entstehen opake und transparente Momente. Die Form entsteht durch Anspannung und Entspannung zwischen Kett- und Schussfäden. Dabei ist die Rolle der Materialeigenschaften als Formgeber ausschlaggebend. So profitieren beispielsweise weiche Baumwolle und starres Papiergarn voneinander: Während die Baumwolle formt, stabilisiert das Papiergarn die Form.

Fäden sind dreidimensionale Linien. Einerseits, ähnlich einer Zeichnung, bilden sie in ihrer unterschiedlichen Verschränkung Schraffuren – in textiler Sprache gesprochen: Strukturen – auf einer von Gewebebreite und Länge definierten Fläche. Andererseits sind Fäden Masse, die in einem additiven Verfahren skulptural eingesetzt werden können.

Druckgrafik und Gewebe verbindet die Logik der Farbmischung. In der Druckgrafik mischen sich die Farben, die einzeln und zeitverschoben übereinandergelegt werden, auf dem Papier. Die textile Farbmischung erfolgt in einem gleichzeitigen Prozess, in dem sich abwechselnd Faden für Faden Kett- und Schussfarbe verschränken und sich durch ihr Nebeneinander optisch mischen.

Nora Lardon studierte Textildesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Saale) sowie im Rahmen eines Austauschs Zeichnung und Druckgrafik an der Universität für angewandte Kunst Wien. Aktuell studiert sie im Master Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Textile Künste an der Universität Bern. Sie arbeitet in dem Textilarchiv des Museum Baselland in Liestal und nimmt regelmässig an Ausstellungen im In- und Ausland teil. 2020 wurde sie mit dem DAAD-Preis für hervorragende Leistungen und Engagement an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Saale) ausgezeichnet und 2024 mit dem Bayerischen Staatspreis für besondere gestalterische Leistung im Handwerk auf der Internationalen Handwerksmesse in München.
Fotos: Abb. 1-4 Nora Lardon, Abb. 5 Ruben Binnendijk
Text: Nora Lardon
Instagram: @noralardon
Nora Lardon wird in der Ausstellung TEXIMUS 5 (18. bis 22. März 2026) in der Altstadthalle Zug das Werk «4 Fd/cm zu 8 Fd/cm» zeigen.




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