top of page

Kaleidoskop


SPIEGELUNGEN, Alte Holzrondelle, Eisenring, Spiegel

Ein Kaleidoskop verändert unsere Sicht, fächert sie auf und überrascht mit neuen Mustern: Rosmarie Abderhalden zeigt in der Kunsthalle Wil Werke rund um das Thema Wahrnehmung. In der Loggia vor dem Eingang liegt eine alte Holzrondelle mit fächerförmig angeordneten Spiegelteilen. Wer sich darüber beugt, sieht sich selber vervielfältig. Wie in Mani Matters Lied «Bim Coiffeur» fächert sich das Selbst und die Umgebung ins Absurde auf und ergibt unbekannte, neue Muster.


STERNBILDER, 2022 / 23, Kupferdraht verhäkelt

In ihrer Ausstellung geht es Rosmarie Abderhalden auch um die Wechselwirkung Raum – Werk. Ein bestimmter Raum kann die Keimzelle für neue Arbeiten sein. So ist «STERNBILDER» entstanden, eine aus Kupferdraht gehäkelte Installation. Die Künstlerin wusste im Vorfeld noch nicht genau, wie sie das Sternengebilde tatsächlich aufhängen sollte. Sie hatte sich viel mehr Vernetzung vorgestellt, beschränkte sie sich dann aber vor Ort auf weniger Verbindungsfäden mit dem Raum. Das ist durchaus stimmig: Viele Zusammenhänge auf der Welt sind noch unerforscht, bzw. wahrnehmbar, aber trotzdem vorhanden. Die beiden überdimensionierten Häkeldeckchen bestehen aus Kupferdraht erinnern an Sandmandalas von tibetischen Mönchen, die ursprünglich Klangmuster aufzeichneten. Jeder Ton ist eine Schwingung und ein unmittelbares Erlebnis. Die Ausstellung «Kaleidoskop» nimmt auch diesen Gedanken auf: An der Vernissage ertönten Stimm-Klänge von Andrea Viaricci, und an der Finissage wird Heidi Roth mittels Klangschalen in den Dialog mit dem Raum treten.

FARB(T)RAUM No 6 – DIE WELT IST (FARB)KLANG, 2023, 300 x 252, Acryl auf Stoff

Auch im «FARB(T)RAUM No6», einem geheimnisvollen, atmosphärischen Bild, das visasvis der Installation «STERNBILDER» hängt, verwendete die Künstlerin Kupfer, das am besten leitende Material. Wir denken an das an das Thema Energie. Zur Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen brauchen wir neue Erkenntnisse, müssen den Blick schärfen und die Beziehungen unter den Dingen erforschen. Schon anfangs des 20. Jahrhunderts haben der Österreicher Viktor Schauberger und der Serbe Nicola Tesla Energiegewinnungsvarianten erforscht, die aber heute in Vergessenheit geraten sind – was wäre, wenn wir sie wieder aus der Mottenkiste hervorholten? Die Beschäftigung mit dem unbekannten Raum macht der Künstlerin Mut für die Zukunft. Viele Lösungsansätze wären vorhanden …

ZUSAMMENGWIRKE, 2022 / 23, Zeichnungen 42 x 59, 4 cm, Stift auf Papier

Rosmarie Abderhalden ist an Wissenschaften wie Quantenphysik, Astrologie, Nullpunktenergie interessiert. Das Unbekannte fasziniert sie. Eine Reihe von Zeichnungen zeigt unterschiedliche Netzwerke. Rhythmische Bewegungen führen zu Verdichtungen und loseren Stellen. Vieles in der Natur, dem Körper oder dem Weltall ist wie ein Tanz. Auch hier denkt die Künstlerin an wissenschaftliche Zusammenhänge: An die Materie eines Atomkerns, die nur mit elektromagnetischen Feldern zusammengehalten wird. An Mikroorganismen, die im Menschen alles miteinander verbinden. An Ahnenreihen. Oder an Galaxie-Nebel, die der Vernetzung des menschlichen Gehirns entsprechen.

WALDPALAST, MODELL EINES RAUMES, 2021, 45 x 50 x 50 cm, Spiegel, Karton

Das kapellenartige Raummodell «WALDPALAST» stammt aus der Coronazeit, als die Ansichten nur noch zwischen den Polaritäten Schwarz / Weiss schwankten. Rosmarie wollte einen Raum für andere Diskussionen erschaffen, einen Ort, in dem man staunen konnte. Im Staunen öffnet sich der Mensch neuen Einsichten ohne Vorurteile.











LUEG EMOL! TROUVAILLEN, 2022 / 23, Verpackungen bemalt, Objects trouvé

An verschiedenen Stellen der Ausstellung entdeckt man kleine Rahmen mit Mini-Fundstücken: Steine, Holz, Federn, alte Nägel, Kleinst-Stoffstücke … Die Sammlung macht den Wert der unscheinbaren Dinge sichtbar. Was werfen wir fort? Was bewahren wir auf? Was ist wichtig?




BLÄTTERRAUSCHEN – ODE AN DEN WALD, 2022

Im oberen Stock zelebriert Rosmarie Abderhalden ihre grosse Liebe zum Wald. Im Waldboden existieren Netzwerke wie jene von Pilzen und Bakterien, zwischen den Waldlebewesen werden gar Informationen ausgetauscht und die Bäume haben ein Gedächtnis. Auf einen Stoff, der aus einem anderen Projekt übriggeblieben war, malte die Künstlerin kleine Punkte und schrieb Namen und Heilwirkungen von Bäumen auf. Die getrockneten Baumblätter, die sie auf diesem Untergrund verteilte, wurden mit flüssigem Wachs bestrichen und mit Goldfarbe bemalt. Die durchgehend gleiche Farbe unterstreicht die Vielfalt und Kostbarkeit der Blätter.



FEDERLEICHTES, 2022 / 23, Federzeichnungen, Stift und Wasserfarbe auf Karton

Auch in diesem oberen Raum sind Sammlungen ausgestellt: Federn, Eier, Vogelnester und andere Fundstücke sowie Zeichnungen von Federn erzählen von Vögeln und deren vielfältiger Lebensweise. Das «Kaleidoskop» von Rosmarie Abderhalden ist eine kostbare Welt mit reichem Hintergrund. Wir staunen über die Schönheit unseres Lebensraumes, finden neue Sichtweisen und vernetzen uns neu. Es ist so vieles möglich!

NESTWERK, Installation, Vogelnester, Straussenei, Kerzenständer, Holzstücke, Objekte (Das Ur-Ei), Spiegeltische

Text: Christine Läubli Bilder: Rosmarie Abderhalden Rosmarie Abderhalden: Kaleidoskop 1. April bis 14. Mai 2023 Kunsthalle Wil, Grabenstrasse 33, 9500 Wil Öffnungszeiten: Do / Fr 16 – 19 Uhr, Sa / So 11 – 14 Uhr oder nach Vereinbarung www.kunsthallewil.ch

94 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Blut & Staub

Comments


bottom of page