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Heidi Arnold in der Galerie TextilAltro


«Die Fäden haben mich ein Leben lang nicht losgelassen, sei es in der meditativen Arbeit am Webstuhl oder im freien Experimentieren im Raum.» Heidi Arnold ist nicht nur Kuratorin von TEXIMUS 3 und 4, sondern arbeitet in der Stille ihres Ateliers in Männedorf ZH auch an einem beeindruckenden Werk. Zurzeit stellt sie in der Galerie TextilAltro in der Fachhochschule Rapperswil aus.







Seit längerer Zeit beschäftigt sich die Künstlerin mit Magnetbändern, die sie verwebt, wickelt, bemalt, verdreht, frei fliegen lässt … Einerseits interessieren sie die Bänder als Filmträger von Geschichten, andererseits als Material, welches das Licht in ganz eigener Weise reflektiert.

«Behind the Curtain» besteht aus drei verschiedenen Teilen, die sich zur Installation zusammenfügen. Im ersten Gewebe schlug Heidi Arnold die Bänder eng zusammen. Für das darauf lose drapierte zweite Stück webte sie erst eine Zeit lang eine im Vergleich lockerere Leinenbindung und öffnete diese dann zum Faltgewebe, in dem die Kett- und Schussfäden noch loser liegen. Die verschieden gewobenen Partien brechen das Licht in unterschiedlicher Weise und strahlen eine geheimnisvolle Kraft aus.



Auch «Gone with the Wind, 01 und 02» und «Out of Africa, 01 und 02” spielen mit dem Licht. Hier sind die Gewebe mit weisser Farbe so bemalt, dass die archaische Webstruktur gut zur Geltung kommt. Auf einem Grundgewebe mit enger Schussdichte liegt jeweils ein kleineres Viereck, das sich vom Untergrund unterscheidet. Die vier Arbeiten zeigen vier verschiedene Positionen von Schwarz und Lichtbrechung und erinnern an den französischen Maler Pierre Soulage, der sich mit Farbe auf Leinwand ähnliche Fragen gestellt hat.





Videobänder kann man auch als Linien behandeln. Die «Kites» scheinen sich von der Wand zu lösen und zu fliegen. Die zum Teil weiss bemalten Bänder wurden so über Graukarton gewickelt, dass sich dieser leicht biegt und sich die Linien vom Hintergrund zu lösen scheinen. Helle und dunkle Bänder durchkreuzen sich, laufen über und untereinander – ein interessantes Spiel mit Strichen.


Auch im mehrteiligen Werk «Transparenz» zeichnen die Bänder Linien. Hier verlaufen sie zwischen Transparentpapieren, als würden sie japanische Schriften oder Zeichnungen malen. Einzelne Bänder haben sich aus den Schichten des Papiers befreit und bewegen sich frei in der Luft.


















Die Arbeit «A River Runs Through it» breitet sich über eine ganze Wand aus und entfaltet eine grosse Lebendigkeit. Als würde man ins Wasser sehen, erblickt man Wellen, Wasserbewegung und Lichtreflektionen – transformiert in eine neue Materie. Man versenkt sich ins meditative Schauen.



Neben diesen Werken faszinieren jene, in denen Heidi Arnold das Chaos zelebriert wie z. B. in «Drei Engel für Charlie». Noch einmal erscheinen Magnetbänder, die sie mit Farbe leuchtend bemalt. In diesen, ähnlich wie Strangen gewickelten Gebilden findet man immer neue inspirierende Details: Stellen, in denen die Farbe besondere Strukturen malt oder solche, in denen sich die Bänder zu freien Bildern kringeln.













Ebenfalls chaotisch muten bunte Fadengewirre an, spontan entstandene Gebilde, die Heidi Arnold mit Leim in haltbare Skulpturen transformiert. Das Fädige ist hier zwar noch als weich und taktil spürbar, doch verharrt es wie ein angehaltener Film in der einmal eingenommenen Position.



Heidi Arnold beeindruckt in der Galerie TexitlAltro mit einer starken Ausstrahlungskraft.

Mit ihrem grossen Können als Ausstellungsgestalterin bespielt sie die Räumlichkeiten souverän. Neben ihren Werken sind auch Bilder des Luzerner Malers Paul Brühwiler zu sehen.


Text: Christine Läubli, Fotos: Urs Arnold

Informationen: Galerie TextilAltro Ostschweizer Fachhochschule Gebäude 5, 1. Stock (in der Bibliothek) Oberseestrasse 10 8640 Rapperswil

Ausstellungsdauer: 24. April bis 9. Juni 2023

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8.30 bis 17.30, Feiertage geschlossen

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