grauer alltag

Der Herbst bringt zwar eine Farbenpracht, doch sind wir oft im grauen Alltag gefangen. Das Hamsterrad der Pflichten verunmöglicht uns den Blick aus dem Fenster, auf kleine Freuden und Glücksmomente.

Anfangs 2022 erzählte mir eine Kollegin vom «Spiel der Farben, # farbe – # color 2022», einer Ausschreibung von swissfiberart (https://swissfiberart.blog/) und vielfältig produzentengalerie (https://www.vielfaeltig-produzentengalerie.ch). Verlangt waren Werke im Kleinformat, farblich zugelassen war Grau mit den Farben Schwarz, Weiss und Gelb. Diese Kombination inspirierte mich. Normalerweise hätte ich zu Grau Rottöne gewählt – aber Gelb? Eine Herausforderung!

Ich listete zunächst alles auf, was mir zu Grau einfiel. Der «graue alltag» blieb hängen, mein Thema war gefunden. Zu diesem konkreten Ziel suchte ich Ideen in Text und Bild. Bald hatte ich eine innere Vorstellung von dem, was ich machen wollte. Seit Jahren entstehen in meinem Atelier immer wieder Collagen aus Papier. Nun wollte ich einmal Stoffe einsetzen und sie danach besticken. Ich forschte im Internet und bei Instagram nach Beispielen, die meinem inneren Bild nahe waren, druckte sie aus und hängte sie ans Moodboard.


Treppauf, treppab suchte ich im Haus Alltagstextilien, möglichst in den verlangten Farben, und fand Abwaschlappen, Putzlappen, Farbfangtücher, einen alten anthrazitfarbenen Kissenbezug, Stoffe aus der Restenkiste und ein halbleinenes Gläsertuch – dieses allerding mit einem roten Karomuster. Einiges war beschädigt, was mir aber gerade gefiel. Weil das rote Karomuster und auch anderes nicht der Vorgabe entsprachen, holte ich Pinsel und Farben und übermalte einige Stellen mit Grautönen. Ein Stoffrest hatte goldene Einsprengsel, die ich, weil sie mir doch zu glänzend waren, mit gelb überpinselte. Nun hatte ich mein Collagematerial beieinander.

Im Nachhinein fände ich es stimmig, wenn ich jeden Tag eine Collage gemacht hätte. Verlangt waren aber nur drei bis vier – und wie konnte ich ahnen, dass mich die Aufgabe so in den Bann ziehen würde? Ich legte also los, schnitt kleine Stoffstückchen zurecht, wobei ich auf das reagierte, was da war – also zum Beispiel einen Saum oder kleine Beschädigungen miteinbezog. Die Stückchen legte ich so zum abstrakten Bild, wie es mir gefiel, immer mit dem Hintergedanken, die Fetzchen stickenderweise zusammenzuheften. Anfangs wiefelte ich auch mit der Nähmaschine, doch gefiel mir die Handstickerei besser. Schon bald waren die vorgesehene Zahl der kleinen Werke gestaltet. Aber da noch viel Material übrig war, machte ich weiter, bis ich zwanzig hatte. Zwanzig? Passte die Zahl zum «grauen alltag»? Dreissig wären besser, dann hätte ich etwa einen Monat beieinander. Also weiter im Flow …

Am Ende ist eine ganze Wand oder ein Monat «grauer alltag» entstanden. Vier der kleinen Werke waren diesen Sommer in der Ausstellung «Spiel der Farben, # farbe – # color 2022» in Regen (Deutschland) und in Meilen ausgestellt, alle dreissig werden im November 2022 in meiner Ausstellung «rückblick» in Winterthur zu sehen sein.

langweilig flickt sich der alltag aus vielen stückchen grau nur ab und zu ein kleiner glanz – glück Text: Christine Laeubli Fotos 1 – 5: Urs Müller; Foto 6: Christine Laeubli

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