Sudō Reiko – Making Nuno

Seit mehr als 30 Jahren entwirft die japanische Textildesignerin Sudō Reiko mit dem Team ihres Ateliers NUNO Stoffe von einzigartiger Schönheit, die weltweit Anklang finden. Die Einzelausstellung «SUDŌ REIKO – MAKING NUNO. Textile Innovation aus Japan», die noch bis und mit dem 18. September 2022 im Textilmuseum St. Gallen zu sehen ist, beleuchtet das Werk der Designerin, ihre Philosophie und den aufwändigen Entstehungsprozess, der ohne die Expertise lokaler Textilhandwerkerinnen und -handwerker nicht denkbar wäre.

Installation Colour Plate – Ausstellungsansicht, Sudō Reiko – Making NUNO, Textilmuseum St. Gallen, Foto: Johannes Stieger

NUNO wurde 1983 vom Textildesigner Arai Jun’ichi in Kiryu gegründet. In zahlreichen Färbe- und Webzentren in ganz Japan widmen sich bis heute hochrangige Handwerker der Herstellung der NUNO-Textilien. Die derzeitige Atelierleiterin Sudō Reiko verfolgt den Weg von der Idee zum gültigen Stoff mit Hartnäckigkeit, Phantasie und Experimentierfreude. Kreationen von Sudō Reiko werden im MoMa in New York und dem Victoria & Albert Museum in London aufbewahrt.

Ausstellungsansicht, Sudō Reiko – Making NUNO, Textilmuseum St. Gallen, Foto: Johannes Stieger

Die gestalterischen und künstlerischen Auseinandersetzungen sind faszinierend. Fünf grossformatige Installationen des Künstlers Saitō Seiichi führen in der Ausstellung die komplexen Herstellungsprozesse auf sinnliche Weise vor Augen. Zeichnungen, Skizzen, Rohmaterialien und Prototypen illustrieren die Entwurfsphase. Die Ideen führen zu oft überraschenden Ergebnissen, welche alte Handwerkskunst mit modernster Technik und traditionelle mit innovativen Materialien verbinden.

Mongami-Lochkarten, Foto: Christine Läubli

Die Ausstellung empfängt das Publikum mit einer Wand von Mongami-Lochkarten. Mit solchen Karten steuert der Jacquard-Webstuhl die Hebung der Kettfäden. Der von Joseph Marie Jacquard 1801 lancierte Webstuhl war die erste Maschine, die in der heutigen, binären Computersprache funktionierte. Jede Lochkarte entspricht einem Schussfaden; ein eingestanztes Loch bedeutet eine Kettfadenhebung, ist die Stelle auf der Karte nicht gelocht, bleiben die Kettfäden gesenkt: Loch = ja, kein Loch = nein. Da die NUNO-Stoffe auf Jacquard-Webstühlen, entstehen, ist dieser Empfang stimmig.

Installation Paper Roll, Foto: Christine Läubli

Ob mittels überdrehter Fäden oder Hitze: Je nach Material schrumpft ein Stoff auf magische Weise zusammen und hebt sich ins Dreidimensionale. Damit zaubert NUNO wunderbare Muster und Strukturen. Auch Ätzstickerei und Drucken sind alte Handwerkskünste, die Sudō Reiko auf verblüffende Weise revolutioniert. Eine ganze Wand von Stoffmustern überwältigt mit unendlichen Ideen von einzigartiger Schönheit. Auch sie zeigen, wie das Atelier NUNO an der Bruchstelle von Design und Kunst arbeitet und die Grenze des Möglichen immer wieder in Frage stellt.

Installation Manmaku, Ausstellungsansicht, Sudō Reiko – Making NUNO, Textilmuseum St. Gallen, Foto: Johannes Stieger

Eine Reihe von Filmen veranschaulicht die Herstellungsprozesse und die grosse Sorgfalt, mit der gearbeitet wird. Die Videos führen auf eine Reise durch Japan und in die Handwerksbetriebe, mit denen NUNO Textilien zusammenarbeitet. Am Ende jedes Filmes versorgt Sudō Reiko einen Stoffballen im Gestell – ihre Hände, die den Ballen tragen, vermitteln das Sinnliche des Stoffes und die grosse Liebe der Designerin zum Textilen.

Installation Kibiso CrissCros, Ausstellungsansicht, Sudō Reiko – Making NUNO, Textilmuseum St. Gallen, Foto: Johannes Stieger

Jellyfish. Die Struktur dieses Gewebes aus Polyvinylalkohol entstand durch Filmdruck und Hitze. Foto: Christine Läubli

Text: Christine Läubli mit Verwendung des Pressetextes Fotos: Museum St. Gallen (Fotograf Johannes Stieger), Christine Läubli Die Ausstellung steht unter dem Patronat der Japanischen Botschaft in der Schweiz und dauert noch bis und mit dem 18. September 2022.

Textilmuseum St. Gallen Vadianstrasse 2 9000 St. Gallen Öffnungszeiten täglich 10 – 17 Uhr www.textilmuseum.ch Zur Ausstellung ist ein Katalog in englischer Sprache erschienen, der online über issuu bestellt werden kann: Sudo Reiko: Making NUNO Textiles – Katalog Installationen in der Ausstellung «Sudō Reiko – Making NUNO» (textilmuseum.ch)

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